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Konzern statt Kanzlei – Karriere als Unternehmensjurist

Nicht jeder studierte Jurist ist später auch in den ganz klassischen Positionen des deutschen Rechtssystems als Rechts-, Staatsanwalt oder Richter tätig. Auch Unternehmen bieten attraktive Karrierechancen und hohe Gehälter. Ein Überblick über die Aufstiegschancen als Unternehmensjurist.

Übersicht:

1. Voraussetzungen für Unternehmensjuristen

2. Tätigkeitsfelder

3. Besonderheiten des Syndikusanwalts

4. Besonderheiten des Justiziars

5. Unterschiede Syndikus & Justiziar

6. Wechseloptionen

Autor: David Schwab Inhouse – Karriereplanung:

Der Wechsel von der Kanzlei ins Unternehmen

Es handelt sich um einen aktualisierten Beitrag, der zuerst im C.H. BECK Verlag erschienen ist.

Voraussetzungen für Unternehmensjuristen


In der Regel setzen Firmen ein abgeschlossenes Jurastudium mit bestandenem zweiten Staatsexamen voraus. Auch wer lediglich das erste Staatsexamen erworben und auf das Referendariat verzichtet hat, hat Möglichkeiten, innerhalb von Rechtsabteilungen tätig zu werden. Oft sind in diesem Fall jedoch die Aufstiegschancen begrenzt.

Wer das zweite Staatsexamen erfolgreich absolviert hat, darf als „Volljurist“ tätig werden. Hier lässt sich dann der eher klassische Weg in die Kanzlei, die Staatsanwaltschaft oder bei sehr guten Noten auch in das Richteramt einschlagen. Wählt man den Weg der Kanzlei, besteht das Ziel meist darin, sich vom „einfachen“ Rechtsanwalt zum Partner hochzuarbeiten.

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Tätigkeitsfelder

Aber auch der Weg in die freie Wirtschaft gilt als attraktiv. Wer hier durchstarten möchte, sollte jedoch ein gewisses Gespür für unternehmerisches Handeln und wirtschaftliche Zusammenhänge mitbringen. Gefragt sind vor allem Juristen in folgenden Bereichen:

  • Personalführung
  • Prüfung rechtlicher Belange
  • Rechtliche Beratung der Geschäftsführung
  • Prüfung von Expansionsideen
  • Verantwortlichkeit für öffentliche Zuschüsse
  • Verhandlungssichere Vertretung nach außen

Die Rechtsgebiete, in denen der Unternehmensjurist besondere Kenntnisse mitbringen muss, können sich hier durchaus stark unterscheiden. Gerade bedingt durch die Unternehmensgröße, Branche und Projekte können sich die Tätigkeitsfelder stark unterscheiden. So können unter anderem folgende Rechtsfelder wichtig werden:

  • Unternehmensrecht
  • Wettbewerbsrecht
  • Urheber- und Patentrecht
  • Vergaberecht
  • Vertrags- und Hafttungsrecht
  • Arbeits- und Mietrecht

Wichtig: spricht man vom „Unternehmensjuristen“, kann dieser unterschiedliche rechtliche Konstellationen aufweisen. Man spricht vom hier vom Syndikus oder Justiziar.

Besonderheiten des Syndikusanwalts

Die Bundesrechtsanwaltsverordnung (kurz: BRAO) bestimmt in §46 den rechtlichen Stand von angestellten Rechtsanwälten und Syndikusrechtsanwälten. Syndikusanwälte stehen dabei zwar in einem dauerhaften Beschäftigungsverhältnis zu einem nichtanwaltlichen Arbeitgeber (zum Beispiel eines Unternehmens), sind jedoch unabhängig. Das heißt, dass Syndikusrechtsanwälte zwingend eine eigene Rechtsanwaltskanzlei betreiben, jedoch zusätzlich für einen Arbeitgeber tätig sind. Arbeitgeber können sowohl Unternehmen als auch Stiftungen, Politische Parteien, Verbände oder Kammern sein.

Dabei kümmern sich der Syndikus um alle beim Arbeitgeber anfallenden Aufgaben – zum Beispiel Fragen des Urheberrechts, Vertretungen vor Gericht oder Vertragsprüfungen. Oft sind Syndiki auch als Datenschutzbeauftragter eines Unternehmens eingesetzt.

Eine Einschränkung gilt jedoch: gemäß §46 BRAO muss sich die anwaltliche Tätigkeit des Syndikus dadurch auszeichnen, dass sie „fachlich unabhängig“ und „eigenverantwortlich“ ausgeübt wird. Problematisch ist das sogenannte „Weisungsgebot“. Sobald sich der Syndikus an Weisungen des Unternehmens zu halten hat, die ihn in der eigenständigen Analyse der Rechtslage einschränken und eine einzelfallorientierte Rechtsberatung erschweren, ist diese unabhängige Tätigkeit nicht mehr gegeben. In der Regel betrifft das vor allem das Gebiet des Arbeitsrechts. Hier ist dem Syndikus untersagt, seinen eigenen Arbeitgeber vor Gericht zu vertreten, da er ja selbst gerade in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Arbeitgeber steht.

Besonderheiten des Justiziars

Eine andere Möglichkeit besteht darin, komplett für ein Unternehmen (oder andere Körperschaften) als Justiziar tätig zu werden. Justiziare müssen nicht zwingend über eine Zulassung als Rechtsanwalt verfügen – auch ein bestandenes erstes Staatsexamen kann bereits ausreichend sein. Im Gegensatz zum Syndikus ist der Justiziar als regulärer Arbeitnehmer angestellt und betreibt keine weiteren Nebentätigkeiten.

Häufig ist das Tätigkeitsfeld des Justiziars noch breiter gefasst, da er sich alltäglich mit allen rechtlichen Problemen innerhalb des Unternehmens beschäftigt. Dies kann von Problemen mit Kunden oder Auftraggebern über die Ausgestaltung von Arbeitsverträgen bis hin zu Patentanmeldungen reichen. Oftmals vertritt der Justiziar das Unternehmen auch prominent nach außen – ähnlich eines Prokurists.

Als Justiziar erforderlich sind daher oft auch Soft Skills, die als Syndikus oder Rechtsanwalt in einer Großkanzlei weniger gefragt sind. Der Justiziar wird vor allem in Sachen Gesprächs- und Personalführung gefragt und muss in brenzligen Situationen Vermittlungsgeschick aufweisen.

Ohne besondere Zusatzqualifikationen (beispielsweise einem spezialisierten LL.M. oder eine Promotion) ist ein beruflicher Aufstieg durch Arbeitgeberwechsel jedoch oft unmöglich. Auch inhouse bestehen aufgrund weniger Mitarbeiter bereits strukturell keine weiteren Karrieremöglichkeiten. Dafür gilt der Job als Unternehmensjurist jedoch als sicherer und Work-Life-Balance freundlicher als eine klassische Tätigkeit in einer Kanzlei.

Unterschiede Syndikus & Justiziar


Syndikus

  • 2. Staatsexamen erforderlich
  • Eigene Anwaltskanzlei erforderlich
  • Meist höheres Gehalt + mehrere Einnahmequellen
  • Karrierechancen durch Weiterempfehlung + unterschiedliche Auftraggeber

Justiziar

  • Auch mit 1. Staatsexamen möglich
  • Zu 100% Arbeitnehmer (aber auch Teilzeit möglich)
  • Gehalt oft niedriger, Aufstiegschancen oft eingeschränkt
  • Karrierechancen durch Zusatzqualifikation + Arbeitgeberwechsel

Wechseloption? Von der Kanzlei ins Unternehmen


Klappt es mit dem Weg zur Partnerschaft in der Kanzlei nicht wie geplant, kann auch der Wechsel in die Unternehmensjustiz eine attraktive Option darstellen. Allerdings problematisch: den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel finden. Wechselt man zu früh, suggeriert dies fehlendes Durchhaltevermögen in der Kanzleikarriere. Wechselt man zu spät, gilt man schnell als derjenige, der es trotz hohem Zeitinvest einfach nicht geschafft hat.

Gründe für den Wechsel in die Unternehmenswelt gibt es viele. Gerade weibliche Juristinnen nehmen einen Wechsel vor, sobald sie in Richtung Familienplanung denken. Denn die Tätigkeit als Unternehmensjuristin, die teilweise sogar in Teilzeit möglich ist, lässt sich oft sehr viel einfacher mit dem Privatleben kombinieren als die hohen, zeitlichen Anforderungen in der Großkanzlei.


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